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Nachfolgend ein Auszug aus dem Buch "Von der Weisheit der Bäume", ISBN 978-3-89568-237-7

PAULOWNIA: NAHRUNG FÜR DIE SEELE

Meine Gattung hat sich, wie viele andere Pflanzen auch dazu entschieden, euch Menschen mit Schönheit zu verwöhnen. Wir ernähren euch nicht im Sinne von Essen mit Früchten; unsere Nahrung und unser Geschenk an euch ist die Schönheit. Nahrung für die Seele, Balsam für die Augen. Manche Pflanzen verströmen einen intensiven Duft, andere sind einfach nur herrlich anzuschauen, bei manchen trifft beides zusammen. Manche geben Früchte für Tiere und Menschen, manche locken Insekten an mit ihrem Duft und bieten ihnen Nektar an – und alle haben wir ein gemeinsames Ziel: zu dienen. Euch zu erfreuen. Auch die Tiere zu erfreuen.

Mein Gebiet ist die Schönheit. Schönheit soll erfreuen. Schönheit soll dienen. Meine Art von Schönheit ist sehr gut sichtbar. Im Frühling die schönen, blauen Blüten, im Sommer die grossen wohlgeformten Blätter; und sogar im Winter bin ich nicht kahl, sondern mache mit meinen geschlossenen Blütenrispen bereits wieder auf die Schönheit des kommenden Frühjahrs aufmerksam.

Schönheit ist nicht Selbstzweck. Wenn eine Frau sich schön macht für Ihren Mann, sich mit Kleidern und Schmuckstücken herausputzt, dann macht sie das aus Liebe. Sogar wenn sie sich nur herausputzt um sich selbst im Spiegel zu gefallen zeugt das von Liebe. Wenn sie sich gefällt oder wenn sie ihrem Mann gefallen will, strahlt sie auch von innen heraus. Dann ist auch die Seele schön. Sie wird zufrieden sein, und auch das strahlt sie aus. Wahre Schönheit ist nicht Selbstzweck. Wahre Schönheit will erfreuen.

Ein Mensch der sich selbst hässlich findet wird nie eine positive Ausstrahlung haben, er wird andere nicht durch seine Gegenwart erfreuen. Er wird ausstrahlen, dass er sich nicht gefällt, dass er mit sich selber nicht zufrieden ist. Er wird auf andere nicht angenehm wirken.

Ein Mensch der sich gefällt wird mit Freuden durch das Leben gehen und diese Freude wird sich anderen mitteilen. Wahre Schönheit wirkt nie kalt, nie künstlich. Denn wahre Schönheit steht immer im Einklang mit Zufriedenheit. Es ist eine harmonische Angelegenheit. Ein schöner Mensch wird auch ein schönes Heim haben. Ein gemütliches Heim, eines, in dem andere Menschen sich wohl fühlen. Wahre Schönheit zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Sein.

Es gibt einen Spruch bei euch: „über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Aber wahre Schönheit ist nicht Geschmackssache. Es gibt eine Art von Schönheit, die alles durchbricht. Wenn etwas in vollkommener Harmonie ist, so wie ein Sonnenuntergang in den Bergen oder am Meeresstrand, wenn der Himmel leuchtet als würde er brennen, wenn die letzten Sonnenstrahlen sich in den Gletschern oder im Meer spiegeln – das ist Balsam für die Seele. Und welcher Mensch lässt sich davon nicht berühren.

Wenn du unglücklich bist, dann schau dir etwas Schönes an: deine Lieblingsblume, einen blühenden Baum, einen Regenbogen, einen Sonnenuntergang – was immer du an Schönem findest. Oder zieh ein hübsches Kleid oder einen chicen Anzug an, mach dich zurecht. Vielleicht gehst du zum Friseur. Oder du steckst dir eine Blume in das Knopfloch oder hinter das Ohr. Umgib dich mit Schönheit, und es wird dir besser gehen. Schönheit ist Nahrung für die Seele.

Hast du dir schon einmal eine einzelne Schneeflocke angeschaut? Das ist Schönheit! Das ist Harmonie! Das ist Perfektion!

Gerade hast du Musik gehört. Ich habe dich gestört und deine Aufmerksamkeit so lange auf mich gezogen, bis du bereit warst mir zuzuhören. Ich möchte etwas zu Musik sagen. Musik ist auch Schönheit – allerdings gelingt euer Nachempfinden von Musik nicht immer so gut wie ihr es gerne hättet. Das hängt mit Zuhören zusammen. Ihr hört die Sphärenklänge nur noch bedingt oder gar nicht mehr. In ihnen habt ihr aber die ganze Bandbreite der Musik. Sie sind absolut harmonisch und... ach – wenn meine Blätter im Wind rauschen, wenn die Aeste sich biegen, ah, das ist Musik, das ist Tanz. Wenn die Regentropfen über meine Blätter rieseln, dieses herrliche tropf, tropf – und dazu noch die Erfrischung, und wie sauber wir danach alle wieder sind – das ist Musik. Ihr kennt ein Musikstück, das heisst „In einem Bächlein helle...“, da kann man doch richtig spüren, wie die Forelle sich im Wasser tummelt und freut. Das soll Musik bewirken. Sie soll eure Phantasie anregen, euren Körper mit Rhythmus, eure Ohren und euer Blut mit Melodie füllen und Eure Seele mit Leichtigkeit. Ihr sollt das Verlangen haben, euch mit der Musik im Takt zu wiegen oder aufzustehen und zu tanzen. Dann ist es Musik. Hört euch die Trommeln von Naturvölkern an. Wow, da kann man in Ekstase kommen. Und so soll das sein, Musik soll euch in andere Sphären tragen, bis ihr alles vergesst und nur noch die Musik und euren wiegenden Körper spürt. Dann könnt ihr nachempfinden wie es für uns ist wenn Wind und Regen unsere „Körper“ peitschen. So soll Musik sein, sie soll euch zu Träumern oder zum Wirbelwind machen. Aber die, welche die Musik machen, ob sie komponieren oder interpretieren, sie müssen wieder lernen auf die Natur zu hören – und auf ihr Innerstes. Dort sitzt die Musik. Wenn Eingeborene sich in Ekstase tanzen, dann leben auch wir Bäume mit und alles verbindet sich – Mensch und restliche Natur sind eins. Auch wenn begnadete Mönche ihren tiefen Singsang anstimmen, das hat Gehalt, das ist Schönheit. Ihr solltet auch im Alter viel mehr tanzen. Und wenn eure Körper zu müde sind, dann tanzt halt im Geiste mit. Stellt euch vor, wie eure Körper tanzen, wie sie mit Leichtigkeit dahinschweben oder im Rhythmus stampfen. Tanzen ist nicht der Jugend vorbehalten, tanzen hält die Körper jung – und schön!

Und das ist es, was Musik im Endeffekt bewirken soll - ohne Hilfsmittel. Ohne künstliches Licht, ohne Drogen. Wirklich gute Musik, bei der Rhythmus, Melodie und vielleicht noch Gesang in absoluter Harmonie sind, ist Droge genug. Aber ihr müsst abschalten und den Mut haben, Euch ganz der Musik hinzugeben. Das ist wie ein Liebesakt. Das lässt euch alles vergessen. Das ist schön, das ist Schönheit und das macht euch schön.

So, das musstest du wissen, darum habe ich so gedrängt. Jetzt kannst du weitermachen. Es gibt aber noch viel über Schönheit zu erzählen.........