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Über das Schnarchen

Ich habe vor kurzem in einem Katalog ein Buch über das Schnarchen gesehen. Es soll unter anderem Tipps für die besten Abhilfen enthalten. Dabei ist mir die Idee gekommen, meine Erfahrungen auf diesem Gebiet hier nieder zu schreiben. Ich bin wirklich kompetent auf dem Gebiet, denn ich gehöre zu den Geplagten, welche die entsprechenden nächtlichen Geräusche über sich ergehen lassen müssen.

Mein Mann hat die Tendenz zu schnarchen, und während einiger Jahre hat er diese Tendenz voll ausgelebt. Nachts, im Bett, neben mir. Mein Mann schläft üblicherweise vor mir ein, und oftmals begann das Konzert, wenn ich, schön ruhig und entspannt, kurz vor dem Einschlafen war. Chchchchhhrrrrrrr, zibüüüühhhh, und das war‘s dann gewesen mit „ruhig und entspannt“. Ich muss auch immer wieder mal nachts raus, und dann war es natürlich dasselbe. Ich zurück ins Bett, mein Mann chchchchhhrrrrrrr, zibüüüühhhh. Laut, wie ein Sägewerk. Solange das Sägewerk gleichmässig sägte, ging es ja noch. Aber dann zwischendurch diese Pausen – ich schon frohlockend, jetzt hört es auf und ich kann einschlafen – und dann er tief und in Intervallen alle Luft wieder reinsaugend, die er angehalten hatte. Meistens versuchte ich es zuerst sanft: „Daniel, du schnarchst.“ Keine Reaktion. Etwas lauter: „Daniel, du schnarchst“. „Hmmm?“ Ich, noch etwas lauter und etwas ungeduldiger: „Du schnarchst!“ „Was? Oh, das ist nicht in Ordnung.“ Chchchchhhrrrrrrr, zibüüüühhhh…..
Irgendwann war ich dann soweit, dass ich zu boxen begann. „Du schnarchst, dreh dich bitte zur Seite!“ Mein Mann schläft meistens auf dem Rücken, und auf dem Rücken schnarchte er entschieden schlimmer als wenn er auf der Seite lag. Nach mehrmaliger Wiederholung des ganzen Prozedere klappte es dann meistens, und wenn ich schnell genug wieder einschlief und in derselben Nacht nicht noch einmal aufstehen musste war die Welt wieder einigermassen in Ordnung, wenn ich aber noch mal raus musste begann das ganze üblicherweise von vorn. Mein Mann schlief damals mit Vorliebe auf dem Rücken und auch wenn er sich zur Seite gedreht hatte, dauerte es meist nicht lange und er lag wieder auf dem Rücken.

Daniel ist 183 cm gross und wog zu diesem Zeitpunkt einiges über neunzig Kilogramm. Da er eine sitzende Tätigkeit ausübt und auch in der Freizeit nicht unbedingt eine Sportskanone ist fällt es wohl leicht sich vorzustellen, woraus ein rechter Teil dieser über neunzig Kilogramm bestand.

Ich machte mich im Internet schlau und stiess auf Tropfen, die das Schnarchen hemmen sollten. Ich bestellte sie, und mein Mann schluckte sie auch brav. Für kurze Zeit wurde es etwas besser, aber von einem durchschlagenden Erfolg konnte keine Rede sein. Ich fand alle möglichen Ratschläge im Internet, sprach auch mit einem Zahnarzt darüber, aber mein Mann bekundete absolut kein Interesse, sich gross um dieses Thema zu kümmern. Wozu auch, er musste sich ja nicht zuhören. Ich drohte ihm mit Tonbandaufnahmen und getrennten Schlafzimmern; ich machte ihn auf gesundheitliche Risiken aufmerksam - mein Mann schnarchte gemütlich weiter. Ich versuchte es mit dem Rezept „solange er schnarcht weisst du dass es ihm gut geht“….., aber wenn man nachts wach neben einem Sägewerk liegt und einfach nur schlafen möchte, haben auch solche philosophischen Sprüche keine allzu grosse Wirkung.

Eines Tages suchte ich in Begleitung meines Mannes eine Apotheke auf und fragte nach einem pflanzlichen Schlafmittel. Die Apothekerin wollte wissen, ob zum Einschlafen oder zum Durchschlafen. „Zum Durchschlafen, mein Mann schnarcht.“ Die Apothekerin hatte gut zugehört und fand: „Dann sollte wohl eher er etwas tun als sie.“ Recht hatte sie, aber das Musikgehör meines Mannes war in diesem Moment wohl gerade verstopft.

Und dann kam die Wende.

Ich hatte vor Jahren über längere Zeit voll auf die Schaubkost gesetzt, als ich aber dann einen Doppeljob hatte - tagsüber die normale Berufstätigkeit und abends ehrenamtlich Kurse leiten – hatte ich damit ziemlich aufgehört. Eine Zeitlang, als ich selbst etwas zugenommen hatte, kochte ich Trennkost, aber mein Mann hielt sich nicht besonders daran und so wurde mir das auch zu mühsam. Ich kochte zwar schmackhaft und mit frischen Zutaten, nur eben, so schmackhaft, dass mein Mann tendenziell immer über den Hunger hinaus ass.

Aber nun gab es plötzlich einen sehr guten Grund für mich, die Ernährung erneut zu überdenken, denn ich bekam dieselben Beschwerden wie vor Jahren meine Mutter: Arthritis und Arthrose. Was hatte meiner Mutter damals einigermassen geholfen, als sie bei mir ass? (Einigermassen deshalb, weil sie sich nur an die Vorgaben hielt, wenn sie bei mir ass, nicht aber wenn sie selber kochte.) Natürlich, die Schaubkost. Ich bestellte mir die neuesten Bücher zu dieser Kost und gab sie auch meinem Mann zum Lesen. Und tatsächlich war er einverstanden, mit mir die Ernährung auf diese Kost umzustellen. Und hatte mein Mann vorher einfach reingeschaufelt, so wurde jetzt portioniert. Bald begannen die Pfunde bei ihm zu purzeln. Innerhalb eines Jahres verlor er fast zwanzig Kilogramm. Er fühlte sich wohler, und er hörte auf zu schnarchen!

So einfach ist das. Mittlerweile haben wir ganz bestimmte Faktoren ausgemacht. Auch wir halten uns zwar weitestgehend, aber nicht zu hundert Prozent an die Vorgaben der Schaubkost. Manchmal ist die Versuchung abzuweichen einfach zu gross, und ausserdem gibt es gewisse Hauptnahrungsmittel in der Schaubkost, die ich schlecht vertrage und deshalb für mich durch andere ersetzen muss. So kann es passieren, dass mein Mann wieder etwas zunimmt. Sobald er über siebenundsiebzig Kilogramm wiegt, beginnt er wieder zu schnarchen. Darauf können wir uns absolut verlassen. Dasselbe passiert, wenn er mit essen abends überbordet, das heisst wenn er mengenmässig viel oder viel Verschiedenes isst. Erstaunlicherweise und entgegen unseren Erwartungen hat Wein keinen Einfluss. Zu viel Gewicht, an einem Abend zu üppig essen, das führt bei ihm unweigerlich zum Schnarchen, egal ob er nun Wein und vielleicht auch ein Schnäpschen getrunken hat oder nicht. Stimmt jedoch das Gewicht und er hält sich einigermassen an die Vorgaben der Schaubkost, haben alkoholische Getränke - natürlich in vernünftigem Rahmen genossen - keinen Einfluss.

Das ist nun also mein einfacher und kostengünstiger Tipp gegen Schnarchen: Auf das Gewicht achten, nötigenfalls reduzieren, abends nicht zu üppig essen und auf keinen Fall viel Verschiedenes. Und natürlich gute Qualität und alles immer frisch zubereitet - Fastfood ist ein absolutes Tabu.